Neben der schweißtreibenden Kunst des Glasbläserei gibt es eine andere, zugänglichere Technik, die in den letzten Jahrzehnten die Herzen von Hobbykünstlern und Profis erobert hat: das Glas-Fusing. Statt flüssiges Glas zu formen, arbeitet man hier mit festen, kalten Glasstücken, die in einem speziellen Ofen kontrolliert miteinander verschmolzen werden. Es ist wie Malen, nur dass die Farben aus Glas bestehen und der Pinsel ein Glasschneider ist.
Fusing ist eine unglaublich vielseitige Technik, mit der sich Schmuck, Schalen, Fliesen und eigenständige Kunstwerke schaffen lassen.
Was ist Glas-Fusing?
Beim Fusing (englisch für „Verschmelzen“) werden zwei oder mehr Glasstücke in einem Brennofen so hoch erhitzt, dass sie an den Berührungspunkten weich werden und dauerhaft miteinander verschmelzen. Je nach Temperatur und Dauer des Brandes können die einzelnen Stücke nur leicht an den Kanten verbunden werden („Tack Fuse“) oder zu einer einzigen, glatten Oberfläche verschmelzen („Full Fuse“).
Entscheidend ist, dass nur Gläser mit dem gleichen Ausdehnungskoeffizienten (AK) zusammen verwendet werden dürfen, damit das Werkstück beim Abkühlen nicht durch Spannungen zerspringt.
Der Prozess in 4 einfachen Schritten
Auch wenn die Möglichkeiten endlos sind, folgt der grundlegende Fusing-Prozess immer denselben Schritten.
1. Das Design und der Zuschnitt
Alles beginnt mit einer Idee und der Auswahl des Glases. Es gibt spezielles „Fusingglas“ in allen erdenklichen Farben und Formen. Besonders beliebt ist dichroitisches Glas, das je nach Blickwinkel in unterschiedlichen Farben schillert. Mit einem Glasschneider werden die ausgewählten Platten in die gewünschten Formen geschnitten und die Kanten bei Bedarf geschliffen.
2. Das Schichten (Layering)
Nun werden die zugeschnittenen Glasstücke auf einer feuerfesten Ofenplatte zu dem gewünschten Motiv arrangiert. Man kann flache Lagen übereinanderlegen, kleine Krümel („Fritte“) aufstreuen oder feine Fäden („Stringer“) verwenden, um Details zu erzeugen. Hier findet der eigentliche kreative Prozess statt.
3. Der Brand im Ofen
Das vorbereitete Werkstück kommt in den Brennofen. Ein computergesteuertes Programm heizt den Ofen langsam auf die Zieltemperatur auf – in der Regel zwischen 760 °C und 820 °C, abhängig vom verwendeten Glas und der gewünschten Verschmelzungsstufe. Bei Temperaturen unter etwa 760 °C verbinden sich die Gläser oft nur unvollständig oder gar nicht. Die Haltezeit bei dieser Temperatur bestimmt, wie stark die Gläser miteinander verschmelzen. Dieser Prozess kann mehrere Stunden dauern.
4. Das kontrollierte Abkühlen
Wie bei jeder Glasverarbeitung ist das langsame, kontrollierte Abkühlen (das „Annealing“) entscheidend, um Spannungen im Material zu vermeiden. Das Abkühlen erfolgt nicht gleichmäßig, sondern in mehreren Phasen: Der Ofen wird zunächst schnell auf etwa 500–550 °C abgekühlt – die sogenannte Annealing-Temperatur – und dort mehrere Stunden gehalten, damit sich innere Spannungen im Glas abbauen können. Erst danach kühlt er langsam auf Raumtemperatur. Bei dickeren Arbeiten kann dieser gesamte Zyklus über 24 Stunden dauern.
Die Magie des Verschmelzens
Die Faszination des Fusings liegt darin, aus getrennten, oft kantigen Fragmenten eine neue, harmonische und untrennbare Einheit zu schaffen. Es ist eine Metapher für das Zusammenfügen von Ideen und Farben zu etwas völlig Neuem. Dieser Gedanke ist auch der Kern meiner eigenen künstlerischen Arbeit. Auch ich nehme einzelne, getrennte Scherben – Fragmente mit einer eigenen Geschichte – und verschmelze sie. Zwar nicht durch die Hitze des Ofens, aber durch das umhüllende Gießharz.
Sowohl beim Fusing als auch bei meinen Lichtobjekten entsteht aus der Vielfalt der Bruchstücke eine neue, leuchtende Ganzheit.
Anbieter wie TGK Glaskunst bieten eine große Auswahl an Fusingglas und Zubehör – wichtig ist, dass alle verwendeten Gläser in einem Werkstück denselben Ausdehnungskoeffizienten haben.
